Zu Gast in Kalabrien

06.10.2025 – Auf Orangenreise in Kalabrien

Im Herbst haben sich 15 Mitglieder unserer Cooperativa Nelson Mandela e.G. – einige mit der ganzen Familie – auf den Weg nach Süditalien gemacht. Unsere Partnerkooperative in Kalabrien hatte uns eingeladen, ihre Arbeit kennenzulernen: nachhaltige Landwirtschaft, faire Arbeitsbedingungen und natürlich jede Menge Orangen, Oliven & Sonne!

Untergebracht waren wir in Camini, einem kleinen Ort, den die Sozialkooperative Jungi Mundu mit viel Herz und Engagement wiederbelebt hat. Bei einer spannenden Führung durften wir Werkstätten, Lernräume und den Kindergarten besuchen – und beim gemeinsamen Mittagessen die berühmte italienische Gastfreundschaft genießen.

Auf den Citrusplantagen zeigte uns Maurizio, wie viel Wissen, Geduld und Liebe in jeder Orange steckt.

07.10.2025 – Ein Tag zwischen Olivenbäumen

Heute durften wir auf der Olivenplantage helfen – pünktlich zum Start der Olivenernte! Während Maurizio und sein Team schon seit dem Morgengrauen auf der Plantage arbeiten, treffen wir etwas später – im Urlaubsmodus – ein. Überall rütteln Maschinen, Oliven prasseln auf die Netze, es duftet nach Erde und Sonne. Unsere Aufgabe: sammeln, sortieren, staunen.

Zwischen den Bäumen lernen wir Pascal kennen, der hier nach schwierigen Jahren und Gefängnisaufenthalt einen neuen Anfang gefunden hat. Ali aus Bangladesch und Vapo, einst im Flüchtlingslager, sind längst Teil dieser Gemeinschaft – die Cooperativa schenkt Menschen eine zweite Chance.

Am Nachmittag bringen wir 505 kg Oliven zur Presse. Das frische, leuchtend grüne Öl läuft in die Edelstahlfässer – pure Magie! Bald wird im Labor geprüft, ob es das begehrte „Extra Vergine“-Siegel tragen darf.

Morgen dürfen wir das junge Öl kosten.

08.10.2025 – Ein Tag in Gioiosa – Mut, Geschichte und Gemeinschaft

Heute ging’s nach Gioiosa Ionica, eine Stadt voller Leben und Symbolkraft. Gleich zu Beginn bestaunen wir ein großes Wandgemälde: eine Jasminblüte, Sinnbild der Arbeiterinnen, die in den 1950er-Jahren für bessere Bedingungen kämpften. Aus der Blüte wächst eine Friedenstaube – Hoffnung in Farbe.

Gioiosa ist besonders, weil die Menschen geblieben sind, obwohl die Stadt nicht am Meer liegt. Hier fand 1978 die erste Antimafia-Demonstration Italiens statt. Das Wandbild erinnert an Rocco Gatto, der den Mut hatte, ein Mafia-Verbrechen anzuzeigen – und dafür mit seinem Leben bezahlte.

Am Nachmittag besuchen wir eine Begegnungsstätte für Menschen mit Behinderung, die von Angehörigen selbst aufgebaut wurde – ohne staatliche Hilfe, mit viel Herz und Unterstützung unserer Partnergenossenschaft. Als Roger spontan ein kleines Konzert gibt, tanzen alle – pure Lebensfreude!

Zum Schluss lernen wir, was eine Cooperativa Sociale ist: eine soziale Genossenschaft, die benachteiligte Menschen in Arbeit bringt oder soziale Dienste anbietet – demokratisch, solidarisch, ohne Gewinnabsicht. Ein starkes Modell für gelebte Gemeinschaft.

10.10.2025 – Besuch im Flüchtlingslager bei Rosarno

Am späten Nachmittag erreichen wir das Flüchtlingslager nahe Rosarno. Schon auf dem Weg dorthin verändert sich die Stimmung – es riecht nach Müll und verbranntem Plastik, der Boden ist übersät mit Schrott und Abfällen. Der Staat kümmert sich nicht.

Etwa 600 Menschen, vor allem aus Westafrika, leben hier in Zelten und notdürftigen Hütten. Am Morgen kommen die Bauern, holen Arbeiter für die Ernte – 20 bis 25 € pro Tag, manchmal gar keinen Lohn. Die Mafia hält das System am Laufen, sie will, dass die Menschen abhängig bleiben. Ein Container vor Ort trägt Einschusslöcher – ein Einschüchterungsversuch gegen Hilfsorganisationen.

Im Lager gibt es eine Toilette, eine Wasserstelle, keine Heizung. Zum Wärmen wird Plastikmüll verbrannt. Und doch entsteht Leben: Einer kocht für alle, ein anderer repariert Fahrräder, im größten Zelt wird gebetet. Ein Mann sagt zu uns:

„You are lucky to have white skin.“

Wir gehen still, bewegt, dankbar. Maurizio hat bereits 20 Männer aus dem Lager in seiner Cooperative aufgenommen – ein kleiner Schritt, der Hoffnung schenkt.

11.10.2025 – Kalabrien und Europa – vereint durch dasselbe Meer, frei in derselben Vision

Am 11. Oktober trafen sich in Gioiosa Ionica Vertreter:innen aus Landwirtschaft, Genossenschaften und lokalen Initiativen, um die Zusammenarbeit zwischen Kalabrien und Deutschland zu feiern. Im Fokus standen typische kalabrische Produkte, ökologische Landwirtschaft und soziale Integration.

Ludwig Jüschke berichtete von der Entstehung der deutschen Genossenschaft, die vor acht Jahren mit ein paar Kisten Orangen und Olivenöl begann und heute den deutschen Markt für die Cooperativa Nelson Mandela erschließt. Maurizio Zavaglia betonte Gastfreundschaft, Menschlichkeit und Nachhaltigkeit als Herz der Zusammenarbeit – hier stehen Menschen hinter den Lebensmitteln, die soziale Integration fördern und Perspektiven schaffen.

Weitere Redner:innen wie Maurizio Agostino, Domenico, Salvatore und Francesco zeigten, wie die Initiative ökologische Landwirtschaft, lokale Wertschöpfung und internationale Vernetzung verbindet. Bürgermeister Luca Ritorto hob hervor, dass die Kooperation nur bestehen kann, wenn sie ökonomisch tragfähig ist, und wünschte dem Projekt weiterhin Wachstum und Erfolg.

Fazit: Die Kooperation ist ein Modell für nachhaltige Landwirtschaft, soziales Engagement und europäische Zusammenarbeit – und ein Beweis, dass Qualität, Zusammenhalt und Gemeinschaft Berge versetzen können.

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